Wenn der Körper nicht will

    Und dabei hatte die Saison doch so gut begonnen…

    Nach einem guten Saisonstart beim Swiss Cup in Goms ging es gleich weiter ins französische Prèmanon, wo die ersten COC Wettkämpfe der Saison anstanden.

    Nach einem katastrophalen Wettkampf am Samstag erwachte ich bereits in der Nacht auf Sonntag mit starken Hals- und Kopfschmerzen. Geschwächt und gekränkt ging’s dann wieder zurück nach Davos wo ich mir Folgendes vorgenommen hatte: Alles daran setzen um in der folgenden Woche beim COC in St. Ulrich wieder am Start stehen zu können. Ich habe den Körper mit Vitaminen und Zink versorgt, ihm die nötige Ruhe gegönnt und dabei nicht zu vergessen, literweise Tee getrunken. Und so fühlte ich mich bereits am Mittwoch wieder erstaunlich gut. Mit drei Wettkämpfen stand ein intensives Wochenende auf dem Programm. Als Vorsichtsmassnahme entschied ich zusammen mit meinem Trainer, den Sprint vom Freitag noch auszulassen und mich auf die Distanzwettkämpfe zu konzentrieren.

    Gesagt, getan.

    So reiste ich wie geplant mit dem Team am Mittwoch nach St. Ulrich, absolvierte am Donnerstag zwei Trainingseinheiten und bereitete mich am Freitag mit einer Vorbelastung auf das 5 km Klassisch Rennen vom Samstag vor.

    Ständige Wetterumschläge sorgten am Renntag für Unruhe und forderten die Serviceleute heraus. So testeten wir vor dem Start diverse Skivarianten, doch ich fand mit keiner wirklich einen guten Abstoss. Es dauerte nicht mehr lange bis zu meinem Start und das Korrigieren mit verschiedenen Steigwachsen brachte nicht viel. Somit entschied ich mich für die Mikro Variante, einem sogenannten Ski mit Schuppen. Ich war überzeugt, zuversichtlich und startete offensiv ins Rennen. Mit einer super Zeit kam ich bei der ersten Zwischenzeit vorbei und versuchte, das Tempo so weiterzuziehen. Doch nach etwas mehr als Rennhälfte, wo die anderen noch einen Zacken zulegten, folgte mein Einbruch. Und das war wortwörtlich ein Einbruch, denn ich stand im Aufstieg und brachte völlig entkräftet meine Beine nicht mehr nach vorne. Ich versuchte mich ins Ziel zu retten doch ich verlor extrem viel an Zeit. Und so lag ich völlig ausgepowert im Zielraum und kam fast nicht mehr zur Erholung. War ich wohl doch noch nicht ganz bei Kräften?

    Auch am Nachmittag fühlte ich mich schwach und nicht gut. Es kreisten sich bereits Gedanken im Kopf, ob ich beim Rennen am Sonntag überhaupt starten soll. Ich bin wirklich kein Mensch, der bei jeder Kleinigkeit gleich den Kopf in den Sand steckt und sich zurückzieht. Aber etwas fühlte sich einfach nicht so an wie es sollte. Ich hatte ja keine eindeutige Signale oder Schmerzen vom Körper womit ich einen Nichtstart begründen könnte. Und somit entschied ich mich für einen Start, auch aus zwei Gründen. Der eine war, dass es ein Massenstart Rennen war. Bei solchen Rennen ist immer alles möglich und es kann sehr vieles passieren. Der zweite Grund war, dass eine dreiwöchige Pause über Weihnachten und Neujahr bis zu den nächsten Wettkämpfen anstand.

    Beim Einlaufen fühlte ich mich ganz ok. Und ganz ok war schlussendlich auch das Resultat. Es war sicher kein Reinfall aber entsprach auch nicht wirklich meinen Erwartungen. Doch jetzt hatte ich drei Wochen Zeit, um mich gänzlich zu erholen.

    gezwungene Planänderung

    Wie man es von Weihnachten und Neujahr her kennt, bringen die Tage einem etwas aus dem Rhythmus. Und so machte ich mir auch nicht allzu viele Gedanken übers Training. Doch die nächsten COC Wettkämpfe in Campra waren nicht mehr weit weg und so wurde ich immer ungeduldiger, als das Gefühl im Training nicht wirklich besser wurde. Im Gegenteil, ich fühlte mich immer schwächer, hatte keine Power und mit ständiger Müdigkeit zu kämpfen. Auf Rat meines Vaters ging ich dann zur Blutentnahme, wo sich das dann auch bestätigen liess. Im Blut zeigten sich relativ hohe Entzündungswerte und zudem auch ein tiefer Eisenwert. Als sich dann noch auftretende Temperaturerhöhungen bemerkbar machten war klar: Campra ist gestrichen!

    Das alles waren Zeichen die ich jetzt schwarz auf weiss hatte: Ich war am Limit, nicht gesund und somit auch nicht leistungsfähig. Der Plan lautete nun folgendermassen: Eine Woche Pause, wo ich mich nur leicht bewege und kaum trainiere und eine anschliessende, normale Vorbereitungswoche auf ein Wettkampfwochenende. Und so richtete sich mein Blick nun auf die kommenden Schweizermeisterschaften im liechtensteinischen Steg.

    Der Fluch der Schweizermeisterschaften

    Wie geplant reiste ich zuversichtlich, dennoch mit ein paar Hintergedanken nach Steg. Wenn ich mein Saisonziel der U23 Heimweltmeisterschaft erreichen wollte, musste ich jetzt liefern ansonsten könnte es eng werden.

    Der Schuss ging, wie auch bei den Schweizermeisterschaften in den letzten zwei Jahren, nach hinten los. Es widerspiegelte sich das Wochenende von St. Ulrich, nur einfach viel schlimmer. Und so brach ich auch bei diesem Rennen nach Rennhälfte komplett ein. Ich hatte keine Kraft, mein Körper war wie gelähmt und ans Powern gar nicht zu denken. Die Enttäuschung nach dem Rennen war riesig. Dazu muss ich sagen, dass das Resultat bei mir immer sekundär ist. Primär ist das eigene Empfinden, das Gefühl. Wenn ich ins Ziel komme möchte ich sagen können, dass ich das Rennen durchgezogen habe und alles gegeben habe. Doch dazu kam es leider gar nicht. Ist das Gefühl schlecht, zeigt sich das auch in der Rangliste und umgekehrt.

    Im Verfolgungsrennen vom Sonntag hatte ich nichts mehr zu verlieren und so wollte ich nicht einfach aufgeben. „Viel schlimmer kann es doch nicht mehr werden“, dachte ich mir. Doch da täuschte ich mich. Über das Rennen vom Sonntag möchte ich am liebsten gar nicht so viel schreiben. Kurz gesagt: Mein Körper war blockiert, er wollte einfach nicht!

    Die Enttäuschung war nochmals um einiges grösser als am Samstag und sank noch tiefer. Für jede Niederlage und Enttäuschung braucht man Energie um das zu verarbeiten. Und diese Energie holt man sich von Erfolgserlebnissen. Doch das war bei mir schon länger nicht mehr der Fall und irgendwann ist diese Energie aufgebraucht. Solche Situationen gibt es im Sport immer wieder und man muss damit umgehen und sich wieder auffangen können.

    Ich hätte ja kein Problem damit gehabt, dieses eine schlechte Rennen wegzustecken und zu vergessen. Aber das war genau das Problem, es fühlte sich nicht an wie „einfach ein schlechtes Rennen“ oder „ein schlechter Tag“. Ich kannte dieses Gefühl nicht und habe es zuvor auch noch nie so erlebt. Umso schwieriger war es für mich, dies so hinzunehmen und zu akzeptieren.

    Es folgten weitere Blutentnahmen und auch ein Lungenfunktionstest um Antworten auf meine Fragen zu erhalten. Auch wenn man es nicht wirklich beweisen kann, deutete vieles auf einen viralen Infekt hin. Ein Virus kann einem Sportler wirklich einen Strich durch die Rechnung machen, was ich auch deutlich zu spüren bekam. Da kann der Kopf noch so stark sein und das Training noch so konsequent durchgeführt werden, der Körper macht dann einfach nicht mit. Beim Lungenfunktionstest zeigten sich dann entzündete, leicht reizbare Atemwege sowie deren auch spürbare Verengung. Das alles Folgen meines ewigen Kampfes gegen das Kränkeln seit mitte Dezember.

    Selektion U23 Weltmeisterschaft

    Doch zum Schluss kommt doch noch Licht über den ganzen Schatten. 🙂 Ich konnte mich erfreulicherweise für das 10km Klassischrennen bei den U23 Weltmeisterschaften in Goms selektionieren. Ich freue mich riesig, dass ich nächsten Mittwoch bei meinem Saisonhighlight am Start stehen darf. Mittlerweile konnte ich auch Mithilfe meiner Trainer, Ärzte und Familie die „Defekte wieder reparieren“ und das Gefühl ist auf dem Weg der Besserung. Ich habe alles daran gesetzt, dass ich nächsten Mittwoch das Vertrauen in meinem Körper wieder habe und mit Freude dieses Rennen laufen kann. Ich hoffe, dort die bestmögliche Leistung abrufen zu können und reise morgen mit Zuversicht und Vorfreude nach Ulrichen.

    Die Saison ist noch jung, es warten noch unzählige Wettkämpfe auf mich und daher bin ich überzeugt, dass ich kämpfen und das eine oder andere gute Resultat noch herauslaufen kann – vorausgesetzt die Gesundheit stimmt. 🙂

     

     

     

     

     

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